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Ihr
habt für Euer neues Album "Hot On The Trail"
einen Haufen gute Kritiken eingefahren, wie dem Bandinfo
zu entnehmen ist. Von mir habt Ihr eine weitere bekommen.
Ist sowas dann noch eine schöne Erfahrung, oder findet
man sich irgendwann damit ab, daß man von jedem gemocht
wird? Oder anders ausgedrückt: seit Ihr stolz darauf, daß
Euch alle mögen, oder seht Ihr das einfach als ein
logisches Resultat jahrelanger Arbeit? Mannae: Wir
sind hocherfreut und mächtig stolz auf jede gute Kritik,
die wir bekommen. Und von jedem gemocht werden wir ja auch
nicht, es bleibt also genügend Potential zur
Verbesserung. Gute Kritiken bestätigen einen natürlich
in seiner Arbeit. Wenn wir keine guten Kritiken bekommen würden,
würde es uns auch nicht mehr lange geben. Wir bekommen
tatsächlich von vielen Fanzines sehr gute Kritiken und
auch in den großen Magazinen waren sie nicht schlecht.
Aber über einen gewißen Underground-Status hat uns das
leider noch nicht hinausgebracht, so ein richtiger
Durchbruch läßt noch auf sich warten. Die
CD präsentiert sich betont Old-School, und auch das Info
schlägt in diese Kerbe. Thrash scheint ja langsam
wiederzukommen, allerdings eher in moderner Form. Was
begeistert Euch nach wie vor am traditionellen Sound?
Mannae: Ich
finde, daß diese Musik nach wie vor in gewißer Weise
unerreicht ist. Kein anderer Stil hat diese Aggressivität
und die Schnelligkeit. Nach dem Thrash kam zwar sehr
brutale Musik nach, aber die war lange nicht mehr so
schnell. Eher Midtempo. Und beim Black-Metal spielen
wieder andere Sachen eine große Rolle. Irgendwie kam
einfach keine Stil mehr nach, der mich genauso begeistern
konnte, wie Speed- und Thrashmetal. Was
hältst Du persönlich von modernen Thrash-Konglomeraten,
oder, schlimmer noch, von sogenanntem New Metal?Mannae:
Ehrlich
gesagt, habe ich mittlerweile etwas den Anschluß an die
aktuelle Szene verloren. Neo-Thrash war für mich schon
Pantera ab der Cowboys from Hell (kennt jemand die früheren
Platten? Ich hab' eine!). Und Helmet und Limp Bizkit kenne
ich hauptsächlich vom Namen, wenn das überhaupt Thrash
ist. Und New Metal? Ich habe gar keine Vorstellung, was
das sein soll. Wir haben mal mit einer ganz jungen Band
gespielt, die sagten, daß sie New Metal machen. Aber mit
Metal hatte das gar nichts zu tun (??). Ihr
habt kultigerweise eine typische 80ies Fotocollage auf die
Rückseite des Sleeves gesetzt, die Euch traditionell mit
diversen anderen Musikern (z.B. Gerre von Tankard) und
Kumpels zeigt. Ist das auf Eure oben beschriebene Vorliebe
zurückzuführen oder eher als Gag gedacht? Mannae:
Das
war uns ebenfalls nicht bewußt, daß das so traditionell
ist. Man bekommt auf den Konzerten eben eine Menge Fotos
zusammen, die man zwar als Cover oder Backcover oder ähnliches
nicht verwenden kann, aber für eine Collage gut sind. Da
denkt man sich, eigentlich zu schade zum wegwerfen. Außerdem
sollen sich die Leute, die die CD kaufen und viel Geld dafür
zahlen, sich nicht darüber ärgern, daß das Booklet so
langweilig und lieblos aufgemacht ist. Das
Cover von "Hot On The Trail" zeigt einen
Kampfdroiden, der mich irgendwie an Transformers erinnert.
Was hat es damit auf sich, und wer hat es gezeichnet? Mannae:
Gezeichnet
wurde es von Mickey Schmidt, von dem wir auch schon das
Tied- und das Airraid-Cover bekommen
haben. Der Titel war dieses Mal vorher da und wir haben
mit ihm zusammen verschiedene Möglichkeiten
durchgesprochen, wie man das umsetzen kann und er hat dann
extra für uns ein Cover entworfen. Die anderen Sachen
waren dagegen keine 'Auftragsarbeiten'. Das
aktuelle Album ist bereits Eure vierte CD-Veröffentlichung.
Was kannst Du uns zu den alten erzählen?Mannae: Die
ersten 3 (2 Maxis) sind für uns eigentlich Demos.
Heutzutage macht ja keiner mehr eine Casette. Deswegen
sind auf der 'Hot on the Trail' auch die unserer Meinung
nach stärksten Stücke von uns drauf. Die alten CDs
dienten vor allem als Bewerbungsmaterial für Gigs und bei
Labels und als Promotion. Die ersten 2 Scheiben haben wir
in einem sehr billigen Studio aufgenommen. Der Zeitstreß
und das Ergebnis waren für uns nicht sehr
zufriedenstellend. Da ein gutes Studio für uns aber nach
wie vor zu teuer ist und wir von Mäzenen bzw. spendablen
Profi-Produzenten nicht überrannt werden, haben wird die
'Airraid' und die 'Hot on the Trail' in Eigenregie mit
einem Harddiskrecordingsystem aufgenommen, selbst
produziert, gemischt und gemastert. Das Layout haben wir
auch selbst gemacht. Mit PC und ein bischen Fleiß kann
man da heute schon sehr viel machen. Ihr
habt Euch 1998 von Eurem Sänger David getrennt. Was war
der Grund dafür, und war sein Gesangsstil dem von Stef ähnlich?
Mannae:
Davids
Gesangsstil war völlig anders. Er wurde mal mit Blitz von
Overkill verglichen. Grundsätzlich hat er eher klar
gesungen und hoch. David hatte eine gute, ausbaufähige
Stimme, aber leider nie den Ehrgeiz sie richtig
weiterzuentwickeln. Nach ein paar privaten Problemen, die
ich hier nicht ausbreiten will, hat David sich von sich
aus entschieden, die Band zu verlassen. Wir sind nach wie
vor befreundet und David und Stefan arbeiten seit längerem
sogar in der selben Arbeit. Stef`s
Gesang ist ziemlich dreckig, auf die Dauer allerdings
etwas eintönig. Hat er aufgrund der kurzen Zeit noch
nicht die Fähigkeit, mehr zu variieren, oder ist das, ähnlich
wie bei Witchery, als Stilmittel zu verstehen? Mannae:
Nach
Davids Ausstieg haben wir länger nach einem neuen Sänger
gesucht. Da hat sich aber niemand passendes gefunden. Dann
haben wir verbliebenen 4 alle zu Singen versucht, und
Stefans Stimme hat uns am besten gefallen. Ich finde, daß
sein Organ und seine Art zu singen, recht gut zu unserem
Stil passt. Bei uns steht eh die Gitarrenarbeit im
Vordergrund. Natürlich entwickelt sich Stefan auf jedem
Konzert und bei jeder Probe weiter, so daß wir auf der nächsten
Scheibe wieder etwas mehr experimentieren können.
Außerdem erinnert mich der Gesang
an NY-Hardcore à la Pro-Pain und Sick Of It All. Gibt es
da Einflüsse?Mannae:Das ist purer Zufall. Ich persönlich
kenne von diesen Bands kein Stück, zumindest nicht bewußt.
Stefan wurde sicherlich auch nicht von solcher Musik
beeinflußt. Ich würde als Einflüße eher Slayer und
Kreator sehen. Erzähl
doch mal was über die Lyrics. Sind sie allgemeiner oder
eher persönlicher Natur? Was willst Du mit ihnen ausdrücken?
Mannae: Die
meisten Lyrics stammen von mir. Wir haben sehr
unterschiedliche Texte. Die Mehrzahl sind Antikriegstexte,
was auch zum Bandnamen passt. Aber es sind auch persönliche
und ironische Texte dabei. Wir sind da nicht auf ein Thema
festgelegt. Wir wollen niemandem etwas vorschreiben oder
unsere Meinung aufdrücken. Die
Gitarrenarbeit auf dem Album finde ich klasse. Wie
entsteht bei Euch ein Song, wie werden die Harmonien
entwickelt? Mannae: Vielen
Dank. Die Songs kommen immer von der Gitarre. Meistens
haben wir irgendwelche Riffs, zu denen wir gut passende
weitere Riffs suchen oder komponieren. Parallel wird der
Song arrangiert, also festgelegt, was Strophe, Refrain,
Mittelteil, Solopart, Intro usw. ist und wie oft die Teile
gespielt werden. Die meisten Songs haben einen klassischen
Aufbau mit Strophen, Refrain und einem Mittelteil. Manche
Songs sind aber ganz anders aufgebaut. Stefan und ich
haben jeweils eine ganz andere Herangehensweise beim
Songschreiben, was sich bei uns sehr gut ergänzt. Ihr
habt im Laufe Eurer Karriere zig Gigs gespielt, unter
anderem mit bekannteren Acts wie Tankard. Hat sich die
Live-Erfahrung und das auf-die-Finger-schauen bei den
Profis auf das Songwriting ausgewirkt? Mannae:
Die
Live-Erfahrung auf alle Fälle, von den Profis konnten wir
uns dagegen bis jetzt weniger abschauen. Das unterscheidet
sich auch nicht von Konzerten, bei denen wir nicht selbst
spielen. Da sind dann eher Sachen wie Show, Ansagen Bühnenaufbau
interessant. Unsere Songs sind auf alle Fälle jetzt mehr
auf Live zugeschnitten. Da kann man zwar nicht so genau
sagen, wie das geht. Aber man kriegt ein Gefühl, wie ein
Song sein muß, damit er Live besser ankommt. Euer
Label Black Arrow hat Euch eine knallige Produktion
spendiert. Gibt es Anekdoten von diesem oder früheren
Studioaufenthalt(en), die Du unbedingt loswerden mußt
(z.B. Vernaschen von Groupies auf der Studiotoilette)? Mannae:
Vielen
Dank für das Lob. Spendiert haben wir uns die Produktion
selber. Wir haben also selbst aufgenommen, produziert,
gemischt und gemastert. Finanziert haben wir bis jetzt
auch immer selbst. Einen Studioaufenthalt im eigentlichen
Sinn gab es bei den letzten 2 CDs auch nicht. Das lief bei
uns (und wahrscheinlich auch bei anderen Bands) wesentlich
nüchterner und unspektakulärer ab, als man sich das
vielleicht vorstellt. So eine Plattenaufnahme ist im
wesentlichen wochenlanger Dauerstreß. Das lustigste war
noch die Taufe der Schlagzeugkabine im Cäpt'n Hammer
Studio. Das war eine kleine schalldichte Kabine, die nach
den Schlagzeugaufnahmen entsprechend gerochen hat. Die
haben wir dann 'Schweinestall' genannt. Der
Name Armistice taucht selten in einem größeren Rahmen
auf, die Platte findet man auch in kaum einem Laden. Wie
sieht es bei Eurem Label mit Werbung und Vertrieb aus,
seid Ihr da zufrieden? Mannae: Da
ist sicher nicht alles so gelaufen, wie wir uns das gewünscht
haben. Black Arrrow ist auch in einer Art Umbruch. Da müssen
wir auch noch einiges besprechen, aber wir können davon
ausgehen, daß beim nächsten Mal einiges besser klappt.
Und Stefan macht gerade im Underground sehr viel selbst. Sind
auf dem Label noch weitere Bands, die Du auch empfehlen würdest?
Mannae:
Auf
dem Label sind sonst hauptsächlich True- und Power-Metal
Bands. Die bekanntesten sind natürlich Unrest, da kann
man auf alle Fälle mal reinhören, wenn man so auf die
Accept-Richtung steht. Für alte Warlock-Fans wären
Backslash ein Tip. Bei Black Arrow auf die Homepage
schauen ist sicher nicht verkehrt.
Was planen Armistice in der nächsten
Zeit, und wo kann man Euch mal live sehen? Mannae:
Das
wichtigste ist Songs schreiben für eine neue Platte. Wir
würden gerne dieses Jahr 'ne neue Scheibe machen. Aber
wir haben es irgendwie noch nie im Sommer geschafft, mal
sehen. Konzert-Daten sind immer aktuell auf unserer
Homepage www.armistice.de zu erfahren. Im Sommer sind ein
paar interessante Open-Airs: 21.07.2001
- Pullach (D) - Open Air, 28.04.2001
- Kropfmühl (D) - Walpurgis Metal Days, 09.06.2001
- Kühbach (D) - Rock Gegen Atomstrom
, 03.05.2001
- München (D) - Inline, 20.04.2001
- Berchtesgaden (D) - Beverly, 06.04.2001
- Fürstenfeldbruck (D) - Alter Schlachthof
Nenn doch mal zehn Deiner
Lieblingsplatten!
Mannae:
Megadeth
- Peace sells, but who's buying? Annihilator
- Alice in Hell Armored Saint - Delirious Nomad, Nevermore
- Nevermore
, Candlemass
- Nightfall, Black
Sabbath - Sabbath Bloddy Sabbath, Overkill
- Years of Decay
, Metallica
- Master of Puppets (R.I.P), Jag
Panzer - Ample Destruction
, Savatage
- Hall of the Mountain King, Slayer
- Decade of Aggression Deine
letzten Worte? Mannae:
Die
habe ich mir noch nicht überlegt. Ich hoffe, ich habe
noch ein paar Jahre Zeit, bevor ich ins Gras beisse. Vielleicht
kommt nicht mehr als Gesabbere dabei heraus. Vielleicht
sowas wie: "He Schwester, noch'n Bier, 'ne heiße
Nummer und die Musik lauter, bitte."
Vielen
Dank für das Interview!
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