Armistice - Roots of Evil
Die Münchner Krawallos von ARMISTIE hauen uns mit ihrer mittlerweile fünften Scheibe vornehmlich den guten Old School Thrash der Bay Area um die Ohren. Gute fünf Jahre sind seit "Hot on the Trail" ins Land gezogen. Eine Zeit, die andere Bands als Rechtfertigung anführen, warum sich der gewohnte Schall in belanglosen trendverseuchten Rauch aufgelöst hat. Ja, würden ARMISTICE in der heutigen Zeit Metalcore spielen, dann wäre das alles natürlich viel einfacher, aber die Münchner müssen ja unbedingt Thrash der alten Schule herunterzocken. Ganz ohne Schnörkel, ohne Ballast. Wer auf die üblichen Verdächtigen wie EXODUS, SLAYER und FORBIDDEN abfliegt, kann bei der Platte eigentlich nicht viel verkehrt machen. Es blitzen sogar immer mal ein paar melodiöse Soli auf, die für zusätzlichen Wiedererkennungswert sorgen. Die Abwechslung im Songwriting wird also groß geschrieben. Das eine oder andere Break sorgt dafür, dass die headbangende Meute nicht in einen tranceähnlichen Zustand verfällt und durchaus melodische Gitarrenleads runden das stilistische Konzept ab. Trotzdem, "Roots of Evil" klingt so, wie eine vernünftige Thrash CD zu klingen hat. Roh, immer feste auf die zwölf, einfach, aber nicht einfallslos strukturiert. Da schmeckt das Bier gleich viel besser, und die wenige Haarpracht wird ordentlich durcheinander gebracht. Die hohe Kunst von "Roots of Evil" ist die, auch in gemässigteren Momenten mit barbarischer Wildheit zu glänzen. Dann sind wieder einige coole Riffs am Start, wo es ordentlich aufs Maul gibt. Neothrasher und Metalcorespacken sollen sich schon mal warm anziehen, denn Armistice sind die wahre Dröhnung abseits der üblichen SODOM / KREATOR / DESTRUCTION Schiene.
Robert Moskau
Hellion Nr. 43/Sommer 2006
www.hellionrecords.de